Ruhelose Beine/Restless legs

Wissenswertes

Übergroße Müdigkeit am Tage kann auch eine höchst merkwürdige Ursache haben, die ganz unglaublich klingt, aber dennoch sehr oft anzutreffen ist. Ärzte schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Deutschen mit dieser bizarren Störung belastet sind, das wären vier Millionen Menschen. Genau weiß man es freilich nicht, denn es gibt eine sehr hohe Dunkelziffer. Die meisten Betroffenen haben zunächst wegen vermeintlicher Venenprobleme oder anderer Schmerzen in den Beinen einen Arzt aufgesucht, und nicht wenige haben eine Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich, bis endlich einer den Verdacht auf die wahre Ursache der Probleme äußert.

Dabei sind die Symptome ziemlich eindeutig: Sobald man sich ins Bett legt und langsam zur Ruhe kommt, werden die Beine lebendig. Sie kribbeln, als würden Ameisen darüber laufen, manchmal verkrampfen sich die Muskeln, die Beine beginnen zu schmerzen, bis sie wieder bewegt werden. Manche Menschen stehen dann auf, gehen ein wenig herum, und sofort verschwindet das unangenehme Gefühl. Doch kaum liegen die Beine wieder unter der Decke, geht es von neuem los. Es dauert lange, bis man endlich einschlafen kann. Mitten in der Nacht erwacht man mit Schmerzen, Kribbeln, Brennen oder Unruhe in den Beinen und findet nur dann Linderung wenn man die Beine bewegt. Erst gegen morgen klingen die Beschwerden dann ab. Kein Wunder, dass solche Nächte nicht mehr ausreichend Erholung bieten. Die Diagnose ist so einfach wie unbefriedigend: Diese Menschen leiden unter dem Restless-Legs-Syndrom, dem Syndrom der unruhigen Beine, abgekürzt RLS. Vergleichbares wie das Syndrom der unruhigen Beine gibt es auch in den Armen, wenn auch sehr viel seltener. Außerdem existiert eine Variante, bei der die Betroffenen keine Schmerzen haben, aber ihre Beine, Füße oder auch nur die Zehen in der Nacht rhythmisch bewegen. Manchmal merken sie nichts davon, spüren aber am nächsten Tag eine übergroße Müdigkeit.

Wie bei allen Krankheiten, die >>Syndrom<< genannt werden, weiß die Medizin auch hier nichts Genaues über die Ursachen. So versteht man auch noch nicht, warum gerade schwangere Frauen öfter darunter leiden, warum Dialysepatienten, deren Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten, und warum Patienten mit Eisenmangel häufiger ruhelose Beine beklagen. Familiär vorbelastete Menschen sind ebenfalls stärker betroffen, was auf eine genetische Beteiligung an der Krankheitsentstehung hinweist, die aber auch nur einen kleinen Teil der Ursachen ausmachen kann.

Ein fehlender Botenstoff als Ursache

Man vermutete aber, dass die Krankheit im Gehirn liegt. Möglicherweise besteht ein Mangel des Botenstoffs Dopamin. Dafür spricht, dass Medikamente, die das Dopaminangebot im Gehirn vermehrern, die Beschwerden zumindest vorübergehend beseitigen, wenn sie die Krankheit auch nicht heilen können. Trotz dieser Unsicherheit ist vielen Patienten schon damit geholfen, dass ihre Beschwerden einen Namen haben und man endlich weiß, in welche Richtung eine sinnvolle Behandlung gehen kann. Da sich die Erkrankung nur ganz selten von alleine wieder besser, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, wenn der Verdacht auf RLS aufkommt.

Wenn das Kribbeln oder die Krämpfe nur ab und zu auftreten, kann auch ein Magnesiummangel dahinter stecken, der nach sportlicher Betätigung auftreten kann, was aber nichts mit dem RLS-Syndrom zu tun hat. Dann helfen schon Magnesiumpräparate.